Reaktorsicherheit

 

Bei allen kommerziellen Kernkraftwerken, die heute weltweit in Planung, Bau oder Betrieb sind, ist ein schwerer Unfall mit erheblichen radioaktiven Freisetzungen möglich. Bei einem derartigen Unfall können große Flächen für lange Zeiträume kontaminiert werden. In der Folge sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Gesundheitsschäden und Todesfälle bei Menschen zu erwarten.

 

Um diese Gefahren zu reduzieren, gab es in den letzten Jahrzehnten weltweite, kontinuierliche Bemühungen zur Verbesserung der nuklearen Sicherheit. Die Intensivierung der internationalen Diskussion, verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Staaten sowie Weiterentwicklung der Sicherheitstechnik wurden angestrebt. Sicherheitsanforderungen wurden strenger und umfassender.

 

Andererseits kann der zunehmende Kostendruck in einer globalisierten und liberalisierten Wirtschaft sich negativ auf die Sicherheit auswirken – bei Planung und Bau von Kernkraftwerken, aber auch bei Betrieb, Wartung und Umbauten.

 

Der Unfall von Fukushima am 11. März 2011 sowie verschiedene Beinahe-Unfälle, die in den letzten Jahren eingetreten sind zeigen, dass in diesem Spannungsfeld nicht unbedingt jene Faktoren dominieren, die die Sicherheit fördern…

 

Solange Kernkraftwerke betrieben werden, ist eine kontinuierliche und konsequente Höherentwicklung des Niveaus der Sicherheit erforderlich. Hand in Hand damit muss die Harmonisierung der Sicherheitsanforde-

rungen sowie der Praxis von Genehmigung und Aufsicht über Staatsgrenzen hinweg gehen.  Grenzen können radioaktive Freisetzungen nicht aufhalten – unterschiedliche Sicherheitsstandards in verschiedenen Staaten sind durch nichts zu rechtfertigen.

 

Innerhalb der Europäischen Union ist diese Harmonisierung bereits im Gange und es wurden Fortschritte erzielt, wenn auch noch viel zu tun übrig bleibt. Weltweit ist die Entwicklung bisher erheblich weniger ausgeprägt.

 

Laufende Aktivitäten von cervus nuclear consulting:

  • Mitwirkung an der Harmonisierung der Anforderungen und Praktiken bei der Reaktorsicherheit auf EU-Ebene
  • Auseinandersetzung mit neuen Kernkraftwerks-Projekten, im Rahmen grenzüberschreitender UVP-Verfahren, aber auch darüber hinaus in vertiefenden Experten-Konsultationen
  • Bewertung spezieller technischer Aspekte von Kernkraftwerken (Auslegung von Sicherheitssystemen, Alterungsfragen u.a.)

 

Besonders aktuell:

 

  • Leitung einer europäischen Arbeitsgruppe zu den Anforderungen an Sicherheitsnachweise bei Kernkraftwerken durch H. Hirsch. Dabei geht es insbesondere um Vermeidung von Unfällen mit großen oder frühzeitigen radioaktiven Freisetzungen. Diese Arbeiten werden voraussichtlich bis 2018 laufen.
  • Koordination der österreichischen ExpertInnen im Sicherheitsdialog mit der Slowakei, betreffend die Fertigstellung der Blöcke 3 und 4 des Kernkraftwerks Mochovce. Der Sicherheitsdialog soll 2017 mit der Erstellung einer umfassenden Dokumentation abgeschlossen werden.